Kaddisch nach einem Lebenden

(D 1969, 65 Minuten, ab 0)

Peri, ein Mann mittleren Alters, geht durch die Straßen von Tel Aviv. Er kommt von der Arbeit, geht nach Hause, und als er sich unterwegs für den Schabbat einen Fisch kauft, fällt ihm plötzlich Bach ein - jener Bach, mit dem er vor vielen Jahren in Deutschland im KZ war. Wo ist er, gibt es ihn noch? Peri hatte ihn fast vergessen, den komischen, linkischen Bach, der sich nicht anpassen konnte und nicht anpassen wollte, Bach, den Unglücksraben. In einem Café trifft Peri den alten Gurfinkel wieder, auch ein Leidensgenosse aus der schrecklichen Zeit. Gurfinkel, Neueinwanderer in Israel, versucht gerade, sich in Tel Aviv ein Geschäft aufzubauen. Halb widerstrebend lässt er sich von Peri in die gemeinsamen Erinnerungen und die Frage nach Bach hineinziehen. Aber niemand weiß Genaues über Bach. Ein vager Hinweis führt zu einem außerhalb der Stadt gelegenen Irrenhaus. Aber auch diese Fahrt, die Peri mit Gurfinkel unternimmt, ist vergebens. Überdeutlich dagegen ist der Bach der Erinnerung, des Lagers: Der singende, träumende, Steine schleppende, geschlagene, getretene, verlachte, halsstarrige Bach, der fast alles falsch machte - oder richtig? Alles richtig? Bach hat überlebt. An einer Straßenecke in Tel Aviv ist er zu gewissen Zeiten zuverlässig zu finden. Sanft und töricht wie eh und je steht er da, ein Ölkännchen in der Hand, um den vorbeikommenden jungen Müttern den Kinderwagen zu ölen. In seinen Filmen verarbeitete der jüdische Filmemacher Karl Fruchtmann (1915 – 2003) seine Erlebnisse als Häftling im KZ Sachsenburg und Dachau. Er dokumentiert damit auf eindrucksvolle Weise seinen Kampf gegen das Vergessen. Durch den Fernsehfilm „Kaddisch* nach einem Lebenden“ von 1969 wurde er weltweit bekannt. Der 60-minütige Film zeigt wie drei Menschen, die die Konzentrationslager überlebt haben ganz unterschiedlich mit ihren Erlebnissen und Erinnerungen umgehen. Zufällig begegnen sich zwei von ihnen in einem Café in Tel Aviv. Sie erinnern sich an ihre gemeinsame Haft und an einen Mithäftling, der von der SS besonders schikaniert wurde. Sein Schicksal lässt ihnen keine Ruhe und sie begeben sich auf die Suche nach ihm. *Kaddisch ist das jüdische Totengebet Eingeleitet wird der Film durch Prof. Dr. Karl Prümm, Medienwissenschaftler und Co-Autor des 2019 erscheinenen Buches „Karl Fruchtmann. Ein jüdischer Erzähler“. Im Anschluss an den Film können die BesucherInnen mit ihm ins Gespräch kommen.

Der Eintritt ist frei! Aus diesem Grund sind auch keine Karten- bzw. Platzreservierungen möglich.

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